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Zu heilig sein

Neulich sprach ich mit einer Teilnehmerin darüber, was man machen könnte, wenn man Menschen besuchen soll, die so schwierig sind, sodass es einem hinterher schlecht geht.
Ich meinte, sie könne sich ja entscheiden, nicht hinzugehen.  Aber wenn sie doch hinginge, dann solle sie versuchen, diesem Menschen mit Wohlwollen zu begegnen.

Wir haben die Fähigkeit uns selber zu verändern und unsere Einstellung, Absichten und unser Verhalten. Andere verändern zu wollen, funktioniert meistens nicht. Außer vielleicht durch unser Vorbild?
Wer hat noch nicht erlebt, dass ein freundliches Wort einem Griesgram ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat?

Als ich ihr sagte, dass wir genau das in der Vollmondmeditation versuchen – Wohlwollen entwickeln – ja sogar Liebe – und sie anderen Menschen, auch den schwierigen, zukommen lassen, meinte sie, sie käme nicht zu den Vollmondmeditationen, weil ihr das zu heilig wäre. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.

Zu heilig? Wie kann denn etwas zu heilig sein? Heilig kommt von heil – unversehrt, ganz – sein, also nicht getrennt sein. Heil bedeutet Reinheit und Vollkommenheit.

Das Gegenteil von heilig ist profan – weltlich. So kann für jemanden das Weihnachtsfest als heilig gelten, weil man die Geburt des “Heilands” feiert oder es ist ein Fest des Konsums, der Traditionen und Verpflichtungen und dann ist es eben nicht nur profan, sondern nimmt dem Ursprung dieses Festes jeglichen Sinn.

Wenn wir heil sind, dann sind wir ganz – vollständig. Dann ist unser Befinden unabhängig und frei von der Welt da draußen, die uns versprechen will, uns Glück zu bescheren. Dann sind wir in der Welt, aber nicht von der Welt.

Heil werden bedeutet zu heilen.

Nicht nur von einer Krankheit des Körpers, sondern auch von psychischem Leid, das wir zum Beispiel durch unangenehme Zeitgenossen erlaubt haben, in uns Einzug zu halten.

Das Heil finden wir nur in uns. Wenn wir in unser Kämmerlein gehen und die Tür zuschließen, wenn wir die Sinne abschalten, sagen wir im Yoga. Dann ist Weih-Nacht. Die geweihte – die heilige und stille Nacht. Und da geschieht sie – die Heilung. Dann wird es warm in uns, und es zeigt sich Mitgefühl und die Freundlichkeit lugt um die Ecke und Frieden und Weisheit setzten sich auf ihren Thron in unserem Herzen. Vielleicht werden wir dann auch irgendwann mal heilig?
Heilige sind Sünder, die nie aufgegeben haben – es ist also ein stetes Bemühen.

Und ich glaube, dass sich nur so die Welt verändern lässt. Indem wir uns selbst verändern. Und all die guten Eigenschaften bilden tatsächlich ein Feld – ein heiles Feld des Friedens in uns und um uns herum.

Daher finde ich – es kann gar nicht heil oder heilig genug sein!